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Offener Brief – Radwegebau

Sehr geehrter Herr Staatsminister Dulig,

es fühlt sich seltsam an, einen offenen Brief zum Thema Radwegebau in Sachsen zu schreiben. Normalerweise sollte so ein Schritt innerhalb der Koalition nicht erforderlich sein.

In allen Medien ist zu lesen oder hören, dass der Radwegebau im Freistaat seit geraumer Zeit besondere Priorität hat. So weit so gut – oder eben auch nicht.

Die Lebenswirklichkeit sieht leider etwas anders aus. Anhand eines Beispiels – für das es dringend eine Lösung und keine Versprechungen braucht, werde ich versuchen den Frust der vergangenen 12 Jahre mit offenen, hoffentlich nicht beleidigenden Worten darzustellen.

Beispiel: Lückenschluss des „Mulde Radwegs“ zwischen Glauchau und Remse als bundesstraßenbegleitenden Radweg.

Der „Mulde Radweg“ ist ein Radweg mit regionaler und überregionaler Bedeutung. Die Linienführung des Radweges wurde in enger Abstimmung mit den jeweils zuständigen Planungsbehörden des Freistaats, des Landkreises Zwickau und den betroffenen Kommunen in zwei Jahrzehnten diskutiert, bewertet, verworfen …
Letztendlich wurde 2016 die Linienführung mit Mulde Querung in Höhe Autobahnbrücke BAB4 und Einbeziehung der Hochwasserschutzanlagen favorisiert.

Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde von Vorplanung, Planfeststellung usw. gesprochen. Damit begann mit viel Zuversicht – vielleicht auch deshalb – eine besonders frustrierender Zeitraum.
Im Jahresturnus bekamen Bürgermeister, Oberbürgermeister, Vertreter des Landkreises und Abgeordnete des Sächsischen Landtages bis 2019 fast wortgleich die selben Arbeitsstände vorgetragen. Es gab ergänzend Erörterungen zum Brückenbauwerk und zur Umweltverträglichkeitsprüfung.

Der mögliche Arbeitsfortschritt ist bis zum heutigen Tag ausgeblieben.

Die betroffenen Bürger, dazu gehöre auch ich, fühlen sich verschaukelt, entmutigt und geleimt.

Ein Planfeststellungsverfahren von weiteren 8 bis 10 Jahren ist für eine endgültige Lösung unabdingbar. Daher bitte ich um ernsthafte Prüfung des nachfolgenden Vorschlags:

  • Im Besitz des Freistaates Sachsen gibt es Notbrückenelemente/Pontonbrückenelemente, um im Rahmen von Umleitungen temporäre Brücken bauen zu können.
  • Eine temporäre Brückenanlage sowie ebensolche Nutzung des landwirtschaftlichen Wirtschaftsweges auf dem nord-östlichen Mulde Ufer zwischen Autobahnbrücke BAB4 und der Ortslage Kleinbernsdorf kann die Zeit eines Planfeststellungsverfahrens begleiten.
    Als gelungenes Beispiel ist hier die temporäre Zufahrt zur B 93 Meerane Gewerbegebiet zu nennen.

In der Hoffnung – das ist ein zu schwaches Wort – eigentlich Verzweiflung, unterbreite ich diesen Vorschlag.

Ich bin mir bewusst, dass mit einem Achselzucken auch dieser Vorschlag vom Tisch gewischt werden kann. Dennoch bitte ich um Unterstützung und baldige Realisierung einer vernünftigen Radwegeführung zwischen Glauchau und Remse.

Sollte es keine zeitnahe Lösung der Aufgabe geben, kann ich mir vorstellen gemeinsam mit anderen Radfahrerinnen und Radfahrern in den Ferienmonaten täglich zwischen Glauchau und Remse, auf der Bundesstraße hin und her zu fahren, um die Brisanz der Radwegesituation darzustellen.

Konstruktiven Lösungen sehe ich gern entgegen und verbleibe
Ihre
Ines Springer
Mitglied des Sächsischen Landtages

Ein Kommentar zu “Offener Brief – Radwegebau”

  1. Kevin Kunze sagt:

    …8-10 Jahre nur für das Planfeststellungsverfahren, sprich da steht dann noch weder eine Brücke, noch ist ein Meter Weg gebaut. Respekt.

    So sieht es also aus, wenn die Ministerialbürokratie den Worten ihres Minister energische Taten folgen lässt:

    „(…) Eine gute und sichere Radverkehrsinfrastruktur ist daher unabdingbar. Deshalb hat der Ausbau von durchgängigen Radverkehrsverbindungen hohe Priorität.
    (…) Der Radtourismus soll daher weiter gestärkt werden. Dazu soll das Landesradwegenetz »SachsenNetz Rad« zur Premiummarke ausgebaut werden.
    (…) Der Radverkehr ist eine Aufgabe vieler Akteure. Gemeinsam möchten wir diese umweltfreundliche Mobilitätsform in Sachsen weiter vorantreiben und so zu einem fahrradfreundlichen Klima beitragen.“

    aus dem Vorwort des Herrn Staatsministers Dulig in der Radverkehrskonzeption Sachsen 2019

    Vielen Dank an Ines Springer, für ihr Beharrungsvermögen

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